MAM #24: Afro Samurai #1, Mai 2011, Carlsen Manga

Grüße und so!

Letzten Monat aufgrund von Zeit- und Motivationsmangel leider ausgefallen und nun wieder, wie gewohnt am ersten Mittwoch des Monats, online: der MANGA AM MITTWOCH (MAM)

Was passiert, wenn ein Mangaka wie Takashi Okazaki als Setting für eine klassische Rachestory das japanische Mittelalter wählt, seinen Figuren teilweise moderne Züge durch Ausstattung, Kleidung sowie Sprache verleiht und das ganze mit einer deftigen Packung Katana-Action paart? Ganz einfach, man bekommt einen temporeichen Manga geliefert, der einen Anime nach sich zieht, dessen Budget ca. 1 Mio. $ pro Episode beträgt und bei dem solch illustre Personen wie der Schauspieler Samuel Jackson und der Rapper RZA ihre Finger im Spiel haben. Wenn man sich noch etwas intensiver mit Afro Samurai beschäftigt, stellt man schnell fest, dass ein nicht unerheblicher Hype um diesen Manga gemacht wurde. Aber was bleibt übrig, wenn man das z.T. ziemlich abstruse Setting und die temporeiche Action außen vor lässt? Top oder Flop? 

Inhalt
Der Bequemlichkeit …*räusper*… Einfachheit halber zitier ich an dieser Stelle den offiziellen Pressetext, der eigentlich schon so gut wie alles zusammenfasst:

Nachdem er als Kind mit ansehen muss, wie sein Vater, Träger des Stirnbands Nr. 1, von Bösewicht Justice ermordet wird, schwört Afro Samurai bittere Rache. Das Stirnband Nr. 2 um seinen Kopf macht er sich auf die Suche nach Justice. 
Doch natürlich gibt es viele andere Kämpfer, die das Stirnband Nr. 2 erringen wollen, um an die Nr. 1 zu gelangen. Ein heftiger Rachefeldzug durch ein Land des Kampfes und der Schlachten beginnt…

Quelle: carlsen.de

Wir lernen im vorliegenden ersten Band (von zwei) den Protagonisten Afro, die Nr. 2, kennen und stellen recht schnell fest, dass er es dank seiner fast superheldengleichen Kräften mit so ziemlich jeden Wiedersacher aufnehmen kann, der sich ihm in den Weg stellt. Doch gegen Ende des ersten Bandes trifft der von einem heftigen Kampf arg geschwächte Afro auf einen unbekannten Gegner, der ihn scheinbar mühelos in seine Schranken verweist, was einen vermeintlichen Cliffhanger darstellt.

Story
Um sofort auf den Punkt zu kommen: die Story ist das Schwächste am ganzen Manga. Sehr flach und viel zu vorhersehbar, auch die Charaktere sind viel zu oberflächlich gezeichnet. Dass es Afro am Ende schaffen wird, seinen Vater zu rächen, dürfte jedem klar sein, ohne den zweiten Band gelesen zu haben. Was mich weiterhin stört, ist die Tatsache, dass dem Träger des Stirnbands Nr. 1 gottgleiche Kräfte nachgesagt werden, dieser zu Beginn des Mangas aber mal eben so über den Haufen geschossen wird. Da hat es sich Okazaki m.M.n. viel zu einfach gemacht.
Abschließend möchte ich noch kurz auf das recht abgedrehte Setting (Mittelalter – moderne Technik) zu sprechen kommen. Dies wirkt anfangs zwar etwas arg ungewöhnlich bzw. sogar irritierend, aber ich muss schon zugeben, dass es nach einigen weiteren Panels auch irgendwie cool rüberkommt. Ich kann mir jedoch vorstellen, dass manche Leser überhaupt nichts mit Maschinengewehr schwingenden Samurais, mit Mobiltelefonen kommunizierenden Killermönchen und Straßenraves à la Loveparade im alten Japan anfangen können und das alles als K.O.-Kriterium ansehen werden. Ich finds jedenfalls gar nicht mal so schlecht.

Artwork
Im Gegensatz zur platten Story ist das Artwork um einiges besser. Die Figuren haben nichts mit den typischen Mangafiguren mit großen Kulleraugen gemein, sondern ähneln in ihrem Look eher den westlichen Comicfiguren. Leider sind die Actionszenen, die zum Herzstück des Mangas gehören, manchmal etwas zu unübersichtlich gezeichnet, wie z.B. das Duell zwischen Afros Vater und seinem Wiedersacher. Im Großen und Ganzen ist das Artwork aber sehr ansehnlich, was u.a. auch an der auffallenden Farbgebung liegt. Okazaki verpasst seiner Samurai-Rachestory nämlich während den Kampfszenen etwas Farbe, indem er das Blut koloriert, was im sonst schwarz-weiss gehaltenen Manga super rüberkommt.

Fazit
Afro Samurai ist eine temporeiche Rachegeschichte, verpackt in einem erfrischenden, dynamischen Artwork, welches allerdings nicht über die leider ziemlich platte Story hinwegtäuschen kann. Der stolze Preis von 14,90 Euro wirkt sich auch nicht gerade positiv auf mein Gesamturteil aus. Anstatt des A5 Hardcover-Formats hätte es m.M.n. auch ein reguläres Paperback zum halben Preis getan.

Künstler
Takashi Okazaki (Autor und Zeichner)

Bewertung

weitere Infos

  • Preis: € 14,90
  • Seitenzahl: 176
  • Erscheinungsdatum: 05.2011
  • Genre: Action
  • ab 16 Jahren
  • in zwei Bänden abgeschlossen

Takashi Okazaki

Takashi Okazaki wurde 1974 in Kanagawa, Japan, geboren. Seit seinem Abschluss an der Tama Art University arbeitet er als Illustrator (u.a. für CD- und DVD-Cover) sowie Manga-Zeichner und entwickelt zudem Skulpturen.
Sein Manga Afro Samurai entstand ursprünglich als Doujinshi (Fan-Manga) für das japanische Independent-Comic-Magazin Nou Nou Hao und wurde später vom Animationsstudio Gonzo als Anime-TV-Serie weiterentwickelt. Samuel L. Jackson taucht darin sowohl als Synchronstimme auf und ist auch Executive Producer, am Soundtrack war die HipHop-Legende RZA vom Wu-Tang-Clan beteiligt. Nach dem erfolgreichen Launch der Serie auf Spike TV in den USA wurde die Serie in Japan in Kinofilm-Fassungen umgearbeitet und in sechs Ländern (darunter Deutschland) auf DVDs veröffentlicht. Zurzeit ist eine Hollywood-Realverfilmung von Afro Samurai in Vorbereitung, an der erneut Samuel L. Jackson beteiligt ist.
Quelle: carlsen.de

Wer Japanisch (Kanji) beherrscht, kann sich ja mal die neusten twitter-Nachrichten von Takashi Okazaki durchlesen.

Neben den Animes, einem Soundtrack und den Mangas gibt es auch ein Videospiel (Xbox 360 und PS3) zu Afro Samurai (metacritic-Wertung: 65/100).

Band 2 erscheint vorraussichtlich am 29. Juli.

Weitere Infos zu Afro Samurai auf der entsprechenden Wikipedia-Seite.

El Tofus Review zu Afro Samurai.

Eine Menge Fotos mit Takashi Okazaki und von seinem „Studio“.

ACHTUNG, ACHTUNG!!! Wer Takashi Okazaki live erleben möchte, hat in wenigen Wochen dazu die einmalige Gelegenheit. Er wird nämlich als Ehrengast auf der diesjährigen AnimagiC (29.-31.07.) in Bonn anwesend sein. Weitere Infos findet ihr auf der offiziellen AnimagiC-Website.

5 Responses to MAM #24: Afro Samurai #1, Mai 2011, Carlsen Manga

  1. maloney8032 sagt:

    Kann man Afro Samurai überhaupt noch als Manga bezeichnen?

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  2. der Nachbar sagt:

    Meinst du aufgrund der westlichen Leserichtung?
    Das ist in der Tat eher ungewöhnlich für einen Manga.

    Naja, aber da Afro Samurai ganz offiziell vom Herausgeber auch als Manga bezeichnet wird, ist das wohl in Ordnung.

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  3. Lorenz sagt:

    Ich hab mir damals den Anime geholt und war ziemlich enttäuscht, wie du sagst, viel Schein wenig Sein der lebt wirklich vom Hype das um ihn gemacht wurde.

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  4. der Nachbar sagt:

    Aha, gut dass du das schreibst. Hatte nämlich mal mit dem Gedanken gespielt, mir den Anime zu kaufen. Aber vllt. hat die Videothek den ja, dann ist die Enttäuschung eines Fehlkaufs nicht so groß.

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  5. Lorenz sagt:

    Videothek ist sicher eine Alternative.

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