MAM #17: Gipfel der Götter #1-#5, 2007-2008, Schreiber & Leser

Grüße und so!

Kurz vor Weihnachten möchte ich euch hiermit einen weiteren MANGA AM MITTWOCH (MAM), genau genommen eine komplette Manga-Miniserie vorstellen, die mir sehr gut gefallen hat und momentan prima zur verschneiten, eisigen Wetterlage passt. Die Rede ist vom Gemeinschaftswerk „Gipfel der Götter“ der beiden Japaner Jiro Taniguchi (Zeichner) und Baku Yumemakura (Autor). Wie schon beim „Spazierenden Mann“ und „Sun Village“ handelt es sich bei diesem Graphic Novel um einen ernsten Manga, der in der realen Welt spielt und eher für ältere Semester gedacht ist. 

Inhalt
Da die fünfteilige Serie über 1500 Seiten umfasst, versuche ich mich hier möglichst kurz zu fassen und nur die grobe Handlung zu skizzieren.
Der Fotojournalist Fukamachi Makoto entdeckt in einem Trödelladen in Katmandu einen alten Fotoapparat, der möglicherweise dasselbe Modell ist, welches der berühmte Bergsteiger George Mallory bei seinem Versuch der Erstbesteigung des Mount Everest im Jahre 1924 bei sich hatte. Mit der Entwicklung des darin enthaltenen Films könnte endgültig die Frage geklärt werden, ob Mallory tatsächlich der erste Mensch auf dem höchsten Berg der Welt war, was die Geschichte des Alpinismus revolutionieren würde. Doch bevor Makoto den Film entwickeln kann, wird ihm die Kamera geklaut.
Die mögliche Klärung der Frage nach der Erstbesteigung des Mt. Everest lässt ihm keine Ruhe und er beginnt daher selber, nach der Kamera zu suchen. Dabei stösst er auf Habu Yoshi, einen der besten Bergsteiger Japans, der sich auf eine waghalsige Gipfelbesteigung vorbereitet, die vor ihm noch niemand gewagt hat. Makoto, selber auch ein begeisterter Alpinist, ist von Habu Yoshi derart fasziniert, dass er in Japan Nachforschungen zu Habus Person anstellt und so immer mehr über ihn und seine Erfolge im Bergsteigen erfährt. Es stellt sich schließlich herraus, dass es Habu war, welcher die alte Kamera damals gefunden hatte. In der Hoffnung, dass er ihm weitere Informationen zur Kamera und dessen Fund geben kann, versucht Fukamachi Habus Vertrauen zu gewinnen und reist erneut nach Nepal.
Nachdem es Makoto tatsächlich gelingen konnte, Habus Vertrauen zu gewinnen, hilft er Fukamchi, den alten Fotoapparat zurückzuerlangen und verrät ihm darüberhinaus, worauf er sich seit Jahren vorbereitet hat und was einer weiteren Revolution im Alpinismus gleichkommen würde: die alleinige Besteigung des Mount Everest im Winter und ohne Sauerstoff über die bisher unbezwingbare Südwestflanke!

Story
Das Bergsteigerdrama „Gipfel der Götter“, welches auf dem gleichnamigen Roman von Yumemakura basiert, ist eine wirklich spannende Geschichte. Der größte Pluspunkt, der mir bei jedem Band aufgefallen ist, ist der enorm hohe Detailgrad bezüglich des Settings. Yumemakuras Vorbereitung zu dieser Bergsteigergeschichte muss enorm gewesen sein. Die Berge, die in dieser Erzählung vorkommen (Mt. Everest, Matterhorn, Eiger und diverse japanische Gipfel) werden von ihm so detailliert vorgestellt, als ob er sie selber alle bestiegen hätte. Die Beschreibung von Biwacks, Kletterrouten und technischen Equipment zeugt von professionellen Kenntnissen, die man sich nicht mal eben an einem Nachmittag aneignet. Auch sein Bezug zu Fakten und historischen Ereignissen ist Beleg für eine intensive Einarbeitung ins Thema Alpinismus. Nennenswert ist an dieser Stelle auch, dass er sich bei einigen Figuren seiner Geschichte an realen Vorbildern orientiert bzw. diese mitverwendet hat (z.B. George Mallory, Andrew Irvine und Tsunéo Hasegawa).
Natürlich machen Details und Fakten alleine eine Story nicht automatisch lesenswert. Dazu gehören auch noch interessante Charaktere und eine fesselnde Handlung. Beides ist hier ebenfalls vorhanden. In erster Linie ist es die Figur des Habu Yoshi, der als einsamer Wolf die Geschichte dominiert. Im Bergsteigen ein Wunderkind hat er es als Mensch selbst im Alter doch nie wirklich geschafft, seine misanthrope, egoistische Art abzuschütteln. Seine einzige Hingabe gilt den Bergen und er wird im Leben nur dadurch angetrieben, noch gewaltigere und unnachahmliche Gipfelerfolge zu erringen, was ihm schließlich zum Verhängnis wird.
Das Herz der Geschichte, die Handlung, ist zugegebnermaßen doch recht speziell. Für jemanden, der im Urlaub lieber ans Meer fährt und für den Berge bloß überdimensionale Felsbrocken sind, ist „Gipfel der Götter“ wohl eher nichts. Man muss also schon eine gewisse Affinität zu Bergen und Tälern haben, damit man seine Freude an diesem Manga hat. Besitzt man diese und hat man schon mal einige Bildbände von Gebirgen, speziell dem Himalaya mit seinen vielen Achttausendern, durchgeblättert, so wird man von der Geschichte des „Gipfel der Götter“ schlicht begeistert.
Allerdings ist nicht alles Gold, was glänzt und so hat der Manga auch eine Schwäche, welche den Lesespaß hin und wieder etwas ausbremst. Für meinen Geschmack hat die Story nämlich ein paar Längen, auf die Yumemakura auch gut verzichten könnte. Vor allem einige wiederkehrende Szenen, wie z.B. die in denen Makoto bei seiner Besteigung des Mount Everst anfängt zu fantasieren oder gar philosophische Anwandlungen bekommt und über den Sinn des Lebens nachdenkt. Das war mir dann doch etwas zu dick aufgetragen.

Artwork
Wie bereits beim Manga „Der spazierende Mann“, so sind auch hier Taniguchis Zeichnungen sehr präzise und sauber. Er behält auch hier die Ligne claire bei und verwendet ab und zu sogar Speedlines, um den Auftritt von Figuren bzw. bestimmte Situationen damit etwas mehr Dynamik zu verleihen. Im Gegensatz zum „Spazierenden Mann“ verwendet Taniguchi noch viel mehr Schraffuren und Schattierungen, um vor allem den Bergen in den entsprechenden Panels mehr Tiefe und Plastizität zu geben.

Fazit
Der fünfteilige Manga „Gipfel der Götter“ ist aufgrund seiner Story sehr speziell und dürfte daher nicht jedermanns Sache sein. Wer sich aber für ein spannendes Bergsteigerdrama interessiert, in dem sich historische Fakten mit erzählerischer Fiktion paaren, der sollte sich diesen Manga unbedingt näher ansehen!

Künstler
Baku Yumemakura (Autor) und Jiro Taniguchi (Zeichner)

Bewertung

weitere Infos

  • Preis: € 16,95 pro Band
  • Seitenzahl: ca. 320 pro Band
  • Erscheinungsdatum: 11.2007-11.2008
  • die Serie ist in fünf Bänden abgeschlossen

Baku Yumemakura

Baku Yumemakura (geb. 01.01.1951) ist ein japanischer Schriftsteller, der vor allem Sci-Fi- und Abenteuerromane schreibt. 1973 schloss er sein Studium der Literatur ab und konnte seitdem einige Preise gewinnen, so z.B. 1989 den japanischen Nihon SF Taisho-Preis, 1990 den Seiun-Preis und 1997 den renommierten Rentaro Shibata-Preis für „Gipfel der Götter“.

Bekannt ist Yumemakura auch für seine Martial-Arts Romane „Garouden“, die auch als Mangas veröffentlicht, sowie als Videospiel adaptiert wurden. Darüberhinaus ist er auch Drehbuchautor für japanische Fantasyfilme wie z.B. „Onmyoji“.
Quelle: Wikipedia (frz.)

Der Manga „Gipfel der Götter“ erschien erstmals von 2000 bis 2003 in der japanischen Zeitschrift Business Jump.

Jiro Taniguchi

Jiro Taniguchi (geb. 14.08.1947) behandelte in seinen Erstlingswerken eher actionlastige Themen. So schrieb er u.a. Geschichten über Samurais und Boxer. Nachdem er aber immer mehr vom frankobelgischen Comicstil beeinflusst wurde, konzentrierte er sich auf eine realistischere Darstellung von Personen und Natur. Dies brachte Taniguchi wiederum dazu, sich stärker auf ruhigere, alltägliche Situationen zu konzentrieren, die teilweise autobiografische Züge beinhalten.

1992 erhielt Taniguchi den Shogakukan-Manga-Award für „Inu wo Kau“ (dt. „Träume von Glück“). Für „Bocchan No Jidai“ (dt. „Zu Botchans Zeiten“), dessen erster Teil bereits 1986 erschien, erhielt er 1998 gemeinsam mit Natsuo Sekikawa den Osamu-Tezuka-Kulturpreis. Das Bergsteigerdrama „Kamigami no Itadaki“ (dt. „Gipfel der Götter“) wurde 2001 mit dem Media-Arts-Festival-Award sowie 2004 in Angoulême mit dem Preis für die beste Zeichunungen honoriert. Im Jahre 2003 erhielt Taniguchi für „Harukana Machi-e“ (dt. „Vertraute Fremde“) den Alph’Art, der auf dem Comicfestival in Angoulême verliehen wird. Dies war übrigens der erste japanische Comic überhaupt, der in Angoulême ausgezeichnet wurde. In Deutschland wurde der Manga 2007 beim Comic-Salon Erlangen zum Comic des Jahres gewählt, was ebenfalls ein Novum war, da dieser Preis erstmals einem Manga zugesprochen wurde.
Quelle: Wikipedia

Auf der Internetseite des Verlags Schreiber & Leser gibt es eine sehr interessante Dokumentation des Fernsehsenders arte über einige Mangaka, u.a. auch Jiro Taniguchi. Ausserdem kann man sich dort Probekapitel sowie das komplette erste Kapitel von Band 1 durchlesen. Hier gehts zur entsprechenden Seite.

Der Mount Everest

Der Mount Everest ist mit 8848 Metern der höchste Berg der Welt. Er liegt im Himalaya-Gebirge zwischen Nepal und Tibet. Die erfolgreiche Erstbesteigung des Mt. Everest gelang 1953 dem Neuseeländer Sir Edmund Hillary und seinen Sherpas Tenzing Norgay und Ang Nyima.
Quelle: Wikipedia

1924 wagten die Briten George Mallory und Andrew Irvine die Besteigung des Mt. Everest. Sie kehrten nicht wieder zurück und wurden für verschollen erklärt, bis man 1999 den Leichnam von Mallory fand. Es ist bis heute unklar, ob einer von ihnen den Gipfel je erreicht hat.
Quelle: Wikipedia

Die Figur des Hase Tsunéo basiert auf Tsunéo Hasegawa einem bekannten japanischen Bergsteiger, der einige Rekorde als Solokletterer Ende der 1970er in Europa für sich verbuchen konnte (Solo-Besteigung des Matterhorn im Winter, Solo-Besteigung der Eiger Nordwand im Winter etc.).
Quelle: Wikipedia (frz.)

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