MAM #15: Der spazierende Mann, März 2009, Carlsen

Grüße und so!

Heute möchte ich euch einen Manga vorstellen, der nur sehr wenig Text enthält und dabei ganz ohne Action und Spannung auskommt. Genauer gesagt ist die Handlung sogar ziemlich unspektakulär, ja sogar banal. Dass dieses japanische Graphic Novel dennoch ein echter Lesetipp ist, welcher den Schwerpunkt auf die kleinen Freuden des Lebens legt, hat sich mittlerweile schon längst rumgesprochen und vielleicht wird der/die eine oder andere unter euch auch Interesse an diesem Manga finden. 

Inhalt
In achtzehn Episoden begleitet der Leser die namenlose Hauptfigur der Geschichte, einen etwa 40-jährigen Mann, der vor kurzem umgezogen ist und nun seine nähere Umgebung erkundet. Man erfährt zwar so gut wie nichts an allgemeinen Informationen von diesem Mann (Name, Beruf etc.) und doch lernt man seine Persönlichkeit im Laufe der Geschichte immer besser kennen. Wie der Titel des Mangas „Der spazierende Mann“ schon verrät, bilden seine Spaziergänge die Rahmenhandlung, die zu weiteren teilweise doch überraschenden Aktivitäten führt wie z.B. das nächtliche Nacktbaden im Schwimmbad, das Hinaufsteigen eines Hochhauses um die ersten Sonnenstrahlen zu erblicken usw..

Story
In diesem Manga bedrohen keine Superschurken den Weltfrieden, keine Prinzessin muss gerettet werden, keine Action weit und breit. Die Handlungen sind vollkommen unspektakulär; auf den ersten Blick könnte man sogar sagen langweilig. Und doch hat „Der spazierende Mann“ einen hohen Unterhaltungswert. Taniguchi hat es mit diesem Manga nämlich exzellent geschafft, den Blick des Lesers auf die kleinen, so selbstverständliche Dinge des Lebens zu richten und sie in den Vordergrund zu rücken. Wie die namenlose Hauptfigur der Geschichte wird auch der Leser hier zu einem Beobachter verschiedener Alltagssituationen. Das ruhige Erzähltempo und die gelassene Art mit welcher der Protagonist durch die Gegend spaziert, lassen dabei viel Raum für Details, die Taniguchi geschickt platziert.

Artwork
Der Einfluss frankobelgischer Comickünstler, allen vorran Moebius, auf Jiro Taniguchi ist unverkennbar, was vor allem an seiner Ligne claire zu erkennen ist. Das Artwork ist ziemlich detailliert und sauber gezeichnet und lässt den Blick des Lesers schonmal auf einzelnen Panels verweilen.

Fazit
„Der spazierende Mann“ hat mir außerordentlich gut gefallen und durch ihn bin ich auf weitere sehr schöne Geschichten von Taniguchi aufmerksam geworden. Wer es auch mal gerne etwas ruhiger mag, sollte unbedingt „Der spazierende Mann“ lesen.

Künstler
Jiro Taniguchi (Autor und Zeichner)

Bewertung

weitere Infos

  • Preis: € 14,-
  • Seitenzahl: 168
  • Erscheinungsdatum: 03.2009

Jiro Taniguchi

Jiro Taniguchi (geb. 14.08.1947) behandelte in seinen Erstlingswerken eher actionlastige Themen. So schrieb er u.a. Geschichten über Samurais und Boxer. Nachdem er aber immer mehr vom frankobelgischen Comicstil beeinflusst wurde, konzentrierte er sich auf eine realistischere Darstellung von Personen und Natur. Dies brachte Taniguchi wiederum dazu, sich stärker auf ruhigere, alltägliche Situationen zu konzentrieren, die teilweise autobiografische Züge beinhalten.

1992 erhielt Taniguchi den Shogakukan-Manga-Award für „Inu wo Kau“ (dt. „Träume von Glück“). Für „Bocchan No Jidai“ (dt. „Zu Botchans Zeiten“), dessen erster Teil bereits 1986 erschien, erhielt er 1998 gemeinsam mit Natsuo Sekikawa den Osamu-Tezuka-Kulturpreis. Das Bergsteigerdrama „Kamigami no Itadaki“ (dt. „Gipfel der Götter“) wurde 2001 mit dem Media-Arts-Festival-Award sowie 2004 in Angoulême mit dem Preis für die beste Zeichunungen honoriert. Im Jahre 2003 erhielt Taniguchi für „Harukana Machi-e“ (dt. „Vertraute Fremde“) den Alph’Art, der auf dem Comicfestival in Angoulême verliehen wird. Dies war übrigens der erste japanische Comic überhaupt, der in Angoulême ausgezeichnet wurde. In Deutschland wurde der Manga 2007 beim Comic-Salon Erlangen zum Comic des Jahres gewählt, was ebenfalls ein Novum war, da dieser Preis erstmals einem Manga zugesprochen wurde.
Quelle: Wikipedia

Mitte der 90er-Jahre gelang Taniguchi auch in Europa der Durchbruch und seitdem ist er besonders in Frankreich und Belgien sehr beliebt.

Jiro Taniguchis Geschichte „Vertraute Fremde“ wurde sogar als Kinofilm verfilmt und dieses Jahr bei uns in Deutschland gezeigt.

Auf der Internetseite des Verlags Schreiber & Leser gibt es eine sehr interessante Dokumentation des Fernsehsenders arte über einige Mangaka, u.a. auch Jiro Taniguchi. Hier gehts zur Doku.

El Tofu hat auf seinem Blog vor einigen Monaten auch schon ein Review zu „Der spazierende Mann“ geschrieben. Lest es euch auf Tofu Nerdpunk durch.

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8 Responses to MAM #15: Der spazierende Mann, März 2009, Carlsen

  1. comicfanboy sagt:

    Hey da hast du aber wiedermal ein sehr spezielles Manga in deiner Sammlung. Wie bist du auf dieses Heft aufmerksam geworden? Durch El Tofus Review?

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  2. Dr. Borstel sagt:

    Klingt großartig. Leider wieder ziemlich teuer, wie ärgerlicherweise alles, was zwar Manga, aber wenig tauglich für die Masse ist. Mit knapp 170 Seiten kommt man je nach Story und Anspruch allerhöchstens zwei Stunden zurecht, 14€ sind da schon ziemlich happig …

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  3. Crayton sagt:

    Gutes Review Kollege.
    Hast ja bei deinen Mangas wirklich sehr ausgefallene Hefte.

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  4. Lorenz sagt:

    Dann darfst du dir aber auch keine US Comics kaufen, weil die haben in der Regel gleich viele seiten und sind in der deutschen Fassung gleich teuer. Von Frankobelgischen Comics, wo du für 13€ nichteinmal die Hälfte bekommt mal ganz zu schweigen. Nur hat man von Taniguchi um einiges mehr als von einem Bendis, Morrison etc.

    Ich mag Vertraute Fremde zwar lieber, aber Taniguchis Werke zeigen einfach, wieviel im Medium Comic einfach insgesamt zu machen ist. Kaufs einfach und freu dich dann, das du ein wirklich tolles Werk in der Hand hälst.

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  5. El Tofu sagt:

    Da es wirklich wenig Text gibt bist du wohl schneller als in 2 Stunden durch. 14€ sind trotzdem gerechtfertigt weil es meiner Meinung nach nicht einfach etwas ist was man mal so nebenbei konsumiert sondern Kunst die man zelebriert. Die Zeichnungen sind sehr detailiert und voll mit symbolismus das man sich ruhig einen ganten Nachmittag damit beschäftigen kann. Und wenn man mal bedekt was man mitlerweile für einen Kinobesuch ausgibt finde ich das man für ein Buch ruhig mal etwas mehr Ausgeben kann.

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  6. der Nachbar sagt:

    Wie bist du auf dieses Heft aufmerksam geworden?
    Auf dieses Buch bin ich vor einigen Monaten durch einen Artikel auf tagesspiegel.de gekommen. Dann hab ich es mal in einer Buchhandlung gesehen, etwas drin rumgeblättert und anschließend gekauft.

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  7. der Nachbar sagt:

    Hey Dr. Borstel,

    kann mich meinen beiden Vorrednern nur anschließen. Das Graphic Novel ist sein Geld wirklich wert und wie bereits erwähnt ist ja gerade dieser Manga etwas, was man eher in Ruhe lesen sollte und keine „Fastfood-Comic-Massenware“.

    Und außerdem: bald ist ja Weihnachten. 😉

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  8. der Nachbar sagt:

    Jo, danke. Tja, die Mischung machts. 😀

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