Review #156: Scott Pilgrim #3-#6, 2006-2010, Oni Press


Grüße und so!

Wie gestern bereits angekündigt, gibt es heute passend zum Kinostart von Scott Pilgrim ein Review zu den Originalbänden 3 bis 6. Für diese ehrenvolle Aufgabe epischen Ausmaßes konnten wir keinen geringeren als den kompetentesten Fachmann, den die Schweiz auf diesem Gebiet vorzuweisen hat, für uns gewinnen: graval

So, jetzt aber genug Lobhudelei. Viel Spaß mit gravals Review zu Scott Pilgrim!

Nachdem ich ja vor einiger Zeit die ersten zwei Bände der sechsteiligen Comicreihe Scott Pilgrim hier reviewt habe, möchte ich, nachdem ich nun sämtliche Bände auch auf englisch besitze, einige Worte dazu verlieren, pünktlich zum deutschen Kinostart der Verfilmung von Edgar Wright. Auch wenn wir Schweizer noch bis zum 18. November warten dürfen, einige Gedanken zu den Comics nieder. In meinem letzten Review habe ich ausserdem aus mir unerklärlichen Gründen nur die Story zum ersten Band angegeben, darum hier also in Kürze und möglichst spoilerfrei die Geschichte der verbleibenden fünf Bände:

Scott muss sich nun Ramonas verbleibenden Exfreunden stellen, die sich als ziemlich knifflig lösbare „Aufgaben“ erweisen. Und es ist ja nicht so, dass im Gegenzug sein eigenes Leben einfacher wird, denn plötzlich stehen auch bei Scott Exfreundinnen und vergangene Flammen en Masse vor der Tür, die noch die ein oder andere Rechnung mit dem epischen Langweiler offen haben. Bei all diesen Herausforderungen bleibt kaum noch Zeit für L-Words und schlechte Rockbands und so steht die Beziehung von Scott und Ramona und die Bandzukunft von Sex-Bob-Omb einige Male auf der Kippe. Gelingt es Scott seine Liebe bei sich zu halten, die Bandzukunft zu retten und den fiesen Ober-Exfreund umzunieten oder verspielt er gar alles durch seine Tollpatschigkeit?

Das beschauliche Leben von Scott Pilgrim gerät aus den Fugen und genauso wie sein Leben den 23-jährigen Teen zunehmend verwirrt, so wird auch die Story mit der Zeit immer komplexer, jedoch nie kompliziert, vorausgesetzt man nimmt sich wirklich Zeit, die Bände durchzulesen und blättert sie vielleicht danach auch noch ein zweites Mal durch. Denn oft ergibt, was man zu Beginn nicht so verstand, erst einen Sinn, wenn man das Ganze kennt und die Story noch einmal durchliest. Also, um den Vergleich aus dem letzten Review noch einmal auszugraben, ein bisschen wie bei Lost. Dort werden ja auch viele Fragen in den Raum gestellt, die die Macher am Schluss zu beantworten versprechen. Doch man sollte nicht enttäuscht sein, wenn es, wie auch bei Lost, zum Schluss nicht die erwartete Auflösungsrunde gibt. Es wird zwar vieles erklärt und die wichtigsten Fragen löst Bryan Lee O’Malley auch auf, doch einige Fragezeichen bleiben dennoch. Das ist jedoch nicht mal so schlimm, da es ohnehin ziemlich nebensächliche Dinge sind und so macht man sich auch selbst einige Gedanken zu der Story und kriegt nicht alles vorgekaut, was ich ohnehin sehr begrüsse.

Interessant ist die Entwicklung der Bände auch zeichnerisch. Im ersten Band gab es nur ganz selten eine gepunktete oder gestrichelte Textur in den sonst schwarz-weissen Zeichnungen zu sehen. Mit den folgenden Bänden nahm auch die Zahl solcher Texturen zu und so haben wir schliesslich im letzten Band unterschiedlichste Texturen – ganze Karo-Ebenen, Verläufe, Flecken und Schattierungen. So wie auch die Vielfältigkeit dieser Texturen zunimmt, so verändert sich auch der Zeichenstil mit der Zeit. Zu Beginn hat man das Gefühl, dass O’Malley jede Zeichnung ziemlich rasch und daher oft auch sehr ungenau gezeichnet hat, im letzten Band sieht man, dass er nichts dem Zufall überlassen hat, weshalb er vermutlich auch mit zwei anderen Zeichnern zusammengearbeitet hat, die für ihn Hintergründe und Details zeichneten. Die Figuren verlieren auch ihre ziemlich eckigen Kopfformen und kriegen abgerundetere Schädel, die Augen wirken grösser und der Unterschied zwischen Konturen und Linien im Körper wird auch anders. Ich finde das toll, dass sich nicht nur die Figuren, sondern auch der Zeichenstil weiterentwickelt, auch wenn es vermutlich ziemlich unfreiwillig geschah. 😉

Zur Epicness der Story trägt aber vorallem bei, dass der Gamer Bryan Lee O’Malley die Story mit unzähligen Game- und Popkulturanspielungen vollstopft, so dass man die Übersicht beinahe verliert. Von Bandnamen bis hin zu Pee-Bars und Level Up-Anzeigen – keinen Augenblick bleibt man vor den mal subtilen, mal mit dem Holzhammer aufgetragenen Seitenhieben auf die Welt der Zocker und Nerds verschont. Und auch der Warsler in mir kommt auf seine Kosten, wenn es plötzlich heisst: „Join me, and together we can rule Ramona’s future love life!“ (Ja, das ist Episode V). Wen interessiert, worauf Scott Pilgrim sonst noch alles anspielt, für den hat ugo.com eine Auflistung mit sämtlichen Anspielungen in Scott Pilgrim gemacht, die wirklich lesenswert ist. Ebenfalls zu entdecken sind die zahlreichen Running Gags, die man im deutschen leider nicht sehr genau übersetzt hat. So zum Beispiel die Frage, ob man „ulterior motives“ habe und ein „user“ sei, die Scott im ersten Band gestellt wird und die er Envy wiederum in Band 2 stellt. Und irgendwo taucht diese Diskussion sogar noch ein drittes Mal auf, ich könnte jetzt jedoch nicht genau sagen wo.

Fazit
Scott Pilgrim empfehle ich allen Nerds und die es gerne sein möchten, die gerne schrägen Humor haben, coole Kung-Fu-Action lieben und eine Story mögen, die komplex ist und bei der man ein bisschen um die Ecke denken muss. Es ist übrigens sehr zu empfehlen, das Impressum der englischen Ausgaben genauer unter die Lupe zu nehmen. 😉

Bewertung
(Band 3)

(Band 4 bis 6)

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11 Responses to Review #156: Scott Pilgrim #3-#6, 2006-2010, Oni Press

  1. Damian sagt:

    Ha. Gravals Meinung zählt nicht. Er ist zu besessen von Scott Pilgrim. Das wäre wie wenn ich die Hefte bewerten müsste. GEHT. EINFACH. NICHT. 🙂

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  2. graval sagt:

    Damian, husch husch auf die Alp!! 😛

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  3. Dr. Borstel sagt:

    Ui, Band 3 bekommt Punktabzug? Wofür denn? Band 3 hat Envy, das muss eher noch Bonuspunkte geben! 😀 Wobei 4&5 wohl die besten der Reihe sind – und ich mich gerade daran erinnere, dass ich die immer noch rezensieren muss. 😉

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  4. der Nachbar sagt:

    Ich muss gestehen, dass ich bisher noch keinen Band komplett gelesen habe (nur drin geblättert).
    Sollte ich mir den Kinofilm nun vorher anschauen oder zuerst die Bände lesen? Wegen Erwartungshaltung Enttäuschung und so.

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  5. graval sagt:

    Nein, Band 3 ist schon okay, zumal Todd eh der coolste Ex ist. Aber mir gefallen die Folgebände besser.

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  6. graval sagt:

    Nun, die Bände sind sicher zu empfehlen, und es gibt sicher auch einige Jokes, die lustiger sind, wenn man die Comics kennt. Aber ob man ohne die Bände nicht drauskommt beim Film – ich weiss es nicht. 🙂

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  7. Dr. Borstel sagt:

    Ich kann dir jedenfalls begeisterte Reviews von Leuten zeigen, die sich den Film angeschaut haben, ohne die Comics zu kennen. Geht also auch in der Reihenfolge. 😉

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  8. comicfanboy sagt:

    Das Selbe wie bei Dr. Borstel. Super Review.

    @: Dr. Borstel & Graval: Hoffe von euch kommen noch mehr Reviews. Sie lesen sich gut und werten den eh schon guten Blog weiter auf.

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  9. graval sagt:

    Danke vielmals! Freut mich dass die Reviews so gut ankommen, aber ich glaube um mich und meine Reviews hier wird es vermutlich wieder ein bisschen ruhig, das, weil ich einerseits nichts mehr zu reviewen habe, andernseits, weil ich den Blog nicht mit meinen Reviews überschwemmen möchte ^^

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  10. Dr. Borstel sagt:

    Man wird sehen. Sicherlich nicht in der nächsten Zeit, denn ein Gastbeitrag ist eben genau das und kein regelmäßiges Arrangement. Ich habe allerdings vor, auch auf meinem Blog in Zukunft gelegentlich mal einen Manga zu rezensieren, und wenn es gerade passt, wer weiß, vielleicht spendiere ich mal wieder einen Ausflug in fremde Gefilde? 😀

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  11. […] schändlicherweise Scott Pilgrim nicht kennt, empfehle ich entweder meine Reviews zu den sechs Bänden oder Amazon. LikeSei der Erste dem dieser Beitrag […]

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