MAM #12: Fairy Tail #1, März 2010, Carlsen Manga

Grüße und so!

Ich freue mich sehr, euch heute eine ganz besondere Ausgabe von MAM präsentieren zu können. Es handelt sich nämlich beim vorliegenden Artikel um einen Gastbeitrag von einem unserer Leser: Dr. Borstel.
Sein Blog mylifeinreverse, den ihr euch unbedingt mal näher ansehen solltet, beinhaltet viele gute Artikel zu Themen wie Film, Musik und Literatur. Es folgt sein Review zum ersten Band von Fairy Tail.

Wer, auch im deutschsprachigen Raum, anfängt, sich mit Manga und Anime zu beschäftigen, wird sehr wahrscheinlich zunächst über actionreiche Shōnen-Publikationen im Stile von „Dragon Ball“ oder „One Piece“ stolpern; eine Tatsache, der wohl das in Deutschland immer noch weit verbreitete Vorurteil zugrunde liegt, dass Manga anspruchsloses Lesefutter für die Kids sei. Dieser Schnellschluss soll jedoch nicht Thema dieses Artikels sein, sondern vielmehr ein weiterer Manga, der in ebendiese Kerbe schlägt und sich mit einfachem Zeichenstil und abwechslungsreichen, pointierten Storylines als nächstes Hypethema empfiehlt, anstatt als langweiliger Abklatsch im Niemandsland der Plagiate zu verschwinden: „Fairy Tail“.

Seit 1999 hat Mangaka Hiro Mashima mit seinem Erstling „RAVE“, einem Fantasy-Action-Genremix, der es auf insgesamt 35 Einzelbände schaffte, eine beeindruckende Visitenkarte hinterlassen, die in Deutschland (erschienen bei EMA) allerdings kaum Beachtung fand. Für den Mangaka steht zu wünschen, dass ihm mit seinem zweiten Werk „Fairy Tale“ ein größerer Wurf gelingt. Fünf von bislang 22 Bänden sind bis dato bei Carlsen Manga erschienen und kündigen bislang eine spannende Serie an, die – umso erfolgversprechener – merklich auf den Spuren Eichiiro Odas wandelt, dessen „One Piece“ auch in Deutschland derzeit neben „Naruto“ der beliebteste und erfolgreichste Manga ist.

Statt Piraten sind es Magier, die in der Welt von „Fairy Tail“ den Ton angeben. Eine solche ist auch Lucy, eine resolute junge Frau, deren Ziel es ist, bei der unkonventionellen Magiergilde Fairy Tail aufgenommen zu werden. Ermöglicht wird ihr das durch den Feuermagier Natsu und seine fliegende Katze Happy, die ebenso ein Problem mit Autoritäten haben wie der exhibitionistisch veranlagte Gray und viele andere Mitglieder von Fairy Tail, einer skurrilen Ansammlung talentierter Individualisten. Dem Großrat der Magiergilden ist die chaotische Gilde ein Dorn im Auge, für den Leser allerdings sind die Eskapaden der Mitglieder, die sich mit actionreichen Questen abwechseln, ein echtes Vergnügen.

Parallelen zu „One Piece“ – die auch im Zeichenstil zu bemerken sind – hatte ich bereits erwähnt, so kommen einem die Eigenheiten der Protagonisten wie auch das Motiv der ständig stärker werdenden Gegner auf Anhieb vertraut vor. Einen Preis für Einfallsreichtum wird Hiro Mashima für seine Serie demnach kaum gewinnen, dafür variiert er klassische Shōnen-Manga-Konzepte gekonnt und witzig. Der genreuntypische weibliche Hauptcharakter dient dem Leser als Brücke in eine phantasievolle Welt mit eigenen Gesetzen, in der man sich auf diese Weise leicht zurecht findet, während ihre streitsüchtigen Gefährten für angenehme Unterhaltung sorgen.

Dank relativ unblutiger Kämpfe und vergleichsweise infantilem Humor richtet sich „Fairy Tail“ (der Schreibfehler im Titel sei vom Autor übrigens nicht bewusst gemacht worden, sondern tatsächlich ein Fehler) in der Tat an ein jüngeres Publikum, unterhält aber auch ältere Semester mit einer Vorliebe für kurzweilige Shōnen-Abenteuer gut, was gleichfalls durch die einfachen, geradlinigen Zeichnungen mit bisweilen karikierenden Einlagen unterstützen. Auf politische Hintergründe oder ein komplexes Magiesystem verzichtet der Manga, sorgt dafür mit Running Gags wie den ständigen Reisekrankheiten Natsus dafür, dass der Leser sich leicht in die amüsante Story einfindet. Auch Fans von „RAVE“ werden dank eines Wiedersehens mit einem alten, vierbeinigen Bekannten auf ihre Kosten kommen.

Fazit
Für Leser von „One Piece“ und vergleichbaren Serien ist „Fairy Tail“ in jedem Fall ein Glücksgriff. Aber auch alle, die schon immer mal einen Manga in die Hand nehmen wollten, bisher jedoch nicht dazu gekommen sind, finden mit „Fairy Tail“ einen leichten, humor-, wenn auch nicht anspruchsvollen Einstieg in die Materie, welcher demnach durchaus eine Empfehlung wert ist.

Künstler
Hiro Mashima (Autor und Zeichner)

Bewertung

weitere Infos (zusammengestellt vom Nachbar)

  • Preis: € 5,95
  • Seitenzahl: 180
  • Erscheinungsdatum: 03.2010
  • Genre: Fantasy/Action

Hiro Mashima auf der San Diego Comic-Con 2008

Hiro Mashima (geb. 03.05.1977) ist ein sehr populärer und erfolgreicher Mangaka. Bereits für sein zweites Werk („Magician“) erhielt er 1998 den Nachwuchspreis des Kōdansha-Verlages. Von 1999 bis 2005 arbeitete er für das Weekly Shōnen Magazine, neben Shōnen Jump das meistverkaufte Manga-Magazin Japans, und schaffte mit seiner Serie „RAVE“, welche sich über 18 Mio. mal verkaufte, den Durchbruch als Mangaka.
Von 2002 bis 2007 schrieb er für das Comic Bom Bom-Magazin ein Spin-off zu „RAVE“. Seit 2006 arbeitet Mashima an „Fairy Tail“. Sein neuster Streich ist ein Manga namens „Nishikaze to Taiyou“.
Letztes Jahr wurde er für „Fairy Tail“ mit dem Kōdansha-Manga-Preis in der Kategorie Shōnen ausgezeichnet.
Quelle: Wikipedia

Während der Comic-Con 2008 gab Mashima ein paar interessante Interviews, in denen er erzählte, wie er Mangaka wurde und was ihn auf seinem Weg als Künstler neben so Filmen wie „Braveheart“ und „Herr der Ringe“ noch so beeinflusste. Und stellt euch vor: seine Lieblingscomicfigur ist Spider-Man! 🙂
Quellen: animenewsnetwork.com und about.com

In Japan gibt es von „Fairy Tail“ bisher 22 Bände. Bei uns wird der sechste Band vorraussichtlich am 26.11.2010 erscheinen. Der siebte Band soll dann einige Monate später am 01.02.2011 folgen.

Wer noch etwas mehr über Fairy Tail erfahren möchte, findet unter de.fairytail.wikia.com eine Menge Infos.

5 Responses to MAM #12: Fairy Tail #1, März 2010, Carlsen Manga

  1. graval sagt:

    Schönes Review, auch wenn ich mich momentan trotz meiner Affinität zu Animes und nicht zuletzt zu Scott Pilgrim, mit Mangas schwertue. Vielleicht bildet Fairy Tail doch den Einstieg in die Welt der Mangas.

    Und das mit dem Schreibfehler ist ja wohl ganz genial xD

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  2. Dr. Borstel sagt:

    Ist es wirklich. 😉 Kann natürlich auch sein, dass das bloß ein Gag ist, aber ich bin geneigt, es tatsächlich zu glauben.

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  3. Lorenz sagt:

    Ich hab die ersten zwei Bände, die waren nett, aber mehr schon nicht mehr. Werd sie wohl verkaufen.

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  4. comicfanboy sagt:

    Hey D. Borstel.
    Cooles Review. Hört sich echt nicht schlecht an das Heft.

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  5. Wörter vs. Zahlen. Ein Gastbeitrag….

    Anlässlich des sage und schreibe 5000. Kommentars auf diesem Blog hat der geschätzte Christian von It’s Magic einen Gastbeitrag zusammen geschustert, in dem er genüsslich mein Bewertungssystem auseinander nimmt. Ich nutze diese Gelegenheit nur ku…

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