MAM #11: Banya – Ein höllisch guter Kurier #1, Mai 2007, Tokyopop

Grüße und so!

Wie letzte Woche angekündigt, geht es hier auf Craytons Comic-Blog nun wieder weiter mit dem MANGA AM MITTWOCH (MAM). Den Auftakt macht ein Fantasy-Manhwa aus Südkorea, der mit einer ausgewogenen Mischung aus Action und Humor ausgestattet ist. Meine Aufmerksamkeit erlangte der Manhwa, als ich schon die ersten paar Seiten durchblätterte und vom Artwork einer Belagerungsszene ziemlich begeistert war. Ob es noch zu weiteren Begeisterungsstürmen während des Lesens von Banya kam, erfahrt ihr in diesem Review.

Inhalt
Die Geschichte spielt in einem mittelalterlichen Fantasysetting, in dem es Wüsten mit tödlichen Sandwürmern (da war wohl Frank Herberts „Dune – Der Wüstenplanet“ eine Inspiration) und dunkle Wälder mit weiteren gefährlichen Monstern gibt. In dieser Welt lebt der junge Banya, unser Titelheld, und betreibt zusammen mit seinen beiden Kollegen Mei und Kong eine Art Postservice. Ihr Motto lautet: „Schnell, sicher und zuverlässig!“ und bisher haben sie ihre Lieferungen auch dementsprechend immer erfolgreich abgeliefert. Selbst unter den gefährlichsten Umständen, wie es schon zu Beginn der Story zu sehen ist (Überbringung einer Botschaft in eine belagerte Festung), erledigen Banya & Co. ihren Job.
Nach dieser actionreichen Einleitung lernen wir in einer Rückblende die beiden Charaktere Banya und Mei etwas näher kennen und erfahren zum einen sehr schnell, dass die temperamentvolle Mei die Chefin des Trios ist und dass Banya eine geheimnisvolle Vergangenheit hat, die einige Fragen aufwirft.
Nachdem wir die Protagonisten nun besser kennengelernt haben, nimmt die Story mit der Rettung eines verwundeten Kuriers wieder an Fahrt auf. Dieser wird in letzter Sekunde von Banya und Kong vor Wüstenmonstern gerettet, von den beiden zu ihrer Poststation gebracht und dort verarztet. Kurz darauf trifft eine Gruppe finster dreinblickender Typen in der Poststation ein und sucht nach dem unbekannten Kurier oder besser gesagt nach einer Schriftrolle, die er bei sich hat. Mei versucht zwar die Typen abzuwimmeln, aber diese fackeln nicht lange und schlagen erstmal alles zu Kleinholz. Daraufhin tritt der Unbekannte aus seinem Versteck und es kommt zu einer tödlichen Auseinandersetzung. Der unbekannte Kurier ist nun tot, aber die wertvolle Schriftrolle haben seine Jäger trotzdem nicht. Denn diese ist in Banyas Obhut, welcher mittlerweile schon unterwegs ist, um sie „schnell, sicher und zuverlässig“ auszuliefern. Eine wilde Verfolgungsjagd beginnt, bei der Mei als Geißel genommen wird und Banya wohl für die wichtigste Auslieferung seines Lebens verantwortlich ist.

Story
Die Geschichte von Banya beginnt mit der bereits erwähnten Belagerungsszene, bei der es ziemlich zur Sache geht. Ich musste dabei sofort an das Ende von Herr der Ringe II denken, was wohl neben der Belagerung selbst auch an den Angreifern lag, die den Orks aus HdR II ein wenig ähneln. Und obwohl es hier recht blutig zur Sache geht, wird auch sehr schnell durch entsprechende Panels deutlich, dass der Manhwa neben einer Menge Action auch eine gewisse Portion Humor zu bieten hat.
Leider bleiben die Figuren etwas auf der Strecke und sind nur recht oberflächlich dargestellt. Bei den entsprechenden Kapiteln zur Vorstellung von Banya und Co. hätte ich mir gewünscht, dass Young-Oh etwas mehr in die Charakterentwicklung gesteckt und die Dialoge nicht so platt („Wer bist du eigentlich?“ „Wer ich bin…woher ich komme…kann mich nicht erinnern!“ „?!“) gehalten hätte. Gerade was Banyas Vergangenheit als Krieger anbelangt, gibt es enormen Aufklärungsbedarf, dem ruhig schon im ersten Band etwas mehr nachgegeben werden dürfte. Vor allem verliert die Geschichte hier enorm an Fahrt und plätschert nur noch so vor sich hin, was sich erst ab dem Auftreten des unbekannten Kuriers bzw. seiner Verfolger wieder ändert. Allerdings gibt es dann nur kurze Spannungsspitzen, die aber viel zu schnell wieder abebben.
Die Grundidee (Überbringen einer geheimnisvollen Botschaft), die hinter dem ersten Band von Banya steckt, ist zwar nicht sonderlich spektakulär oder gar innovativ, aber nichtsdestotrotz bietet sie eine gute Ausgangssituation für eine spannende Story. Nur habe ich leider den Eindruck, dass sie bei dem vorliegenden Manhwa nicht so richtig zündet, da ich z.B. den Anfang des Bandes viel spannender fand als sein Ende, was normalerweise eher umgekehrt sein sollte.

 

Artwork
Was mich auf Banya aufmerksam gemacht hat, war das detaillierte und sauber gezeichnete Artwork. Vor allem das erste Kapitel, dessen ersten paar Seiten sogar in Farbe gezeichnet sind, hat mir sehr gut gefallen. Hier wird die Action des Kampfgetümmels durch filmähnliche Perspektiven, Speedlines und (etwas zu wenig) Schallworte sehr gut rübergebracht. Die im späteren Verlauf immer wieder vorkommenden extremen Überzeichnungen von Gesichtsausdrücken als Stilmittel zur Darstellung von Gefühlzuständen halten sich in Grenzen und lockern die Story etwas auf, ohne sie dabei ins lächerliche zu ziehen.
Neben den positiven Dingen, die ich hier aufgezählt habe, gibt es jedoch auch ein paar Sachen, die mir nicht so gut gefallen haben. So sind beispielsweise bei der Kampfszene im Postamt die räumlichen Proportionen teilweise sehr abstrus, da der Innenraum des kleinen Postamtes darin wie eine riesige Halle wirkt. Auch dass  einige Texte (Schallworte und Beschriftungen von Gegenständen) nicht übersetzt dargestellt wurden, finde ich enttäuschend.
Insgesamt gefällt mir das Artwork dieses Bandes aber doch ziemlich gut und wenn ich es abschließend mit anderen, hier bereits vorgestellten Mangas vergleiche, würde ich sagen, dass es am ehesten Obatas „Bakuman“ oder „Death Note“ ähnelt.

Fazit
„Banya – Ein höllisch guter Kurier“ ist leider alles andere als ein höllisch guter Manhwa. Für solide Fantasyunterhaltung ist zwar gesorgt, aber das zu einem recht hohen Preis (€ 7,50), der meiner Meinung nach nicht gerechtfertigt ist. Denn dafür bietet Banya einfach zu wenig. Schade, dass die Story trotz eines spannenden Anfangs nicht wirklich fesseln kann. Das gute Artwork allein kann bei mir nichts daran ändern, dass ich auf die weiteren vier Bände verzichten werde und den Manhwa auch nur eingeschränkt (Fantasyfans) empfehlen kann.

Künstler
Kim Young-Oh (Autor und Zeichner)

Bewertung

weitere Infos

  • Preis: € 7,50
  • Seitenzahl: 192
  • Erscheinungsdatum: 05.2007
  • Genre: Fantasy/Action
  • in fünf Bänden abgeschlossen

Kim Young-Oh auf der Japan Expo 2007 in Paris

Kim Young-Oh (geb. 19.04.1976) ist ein südkoreanischer Autor und Zeichner, der vor Banya bereits einen zwölfteiligen Action-Comedy-Manhwa (High School) veröffentlichte.
Sein zweites Werk, Banya, verfasste Young-Oh ab 2004. Von 2006 bis 2008 arbeitete er ausschließlich als Zeichner an seinem dritten Werk, dem Fantasy-Manhwa für Erwachsene: Ghost
(Quelle: Wikipedia)

Kim liest auch gerne amerikanische Superhelden-Comics, die ihm sogar als Inspirationsquelle dienen. Seine Favoriten sind Spawn und Hellboy.
(Quelle: manga-news.com)

Den Vertrieb von Banya in Amerika übernahm Dark Horse. Dort ist der Manhwa bei gleichem Inhalt übrigens noch teurer als hier ($ 12,95) und die Altersempfehlung ist um ein Jahr höher gesetzt (ab 16) als bei uns.
Das Advanced Media Network: Anime hatte die US-Erstausgabe damals mit einem Silver Award ausgezeichnet.
(Quelle: Advanced Media Network)

5 Responses to MAM #11: Banya – Ein höllisch guter Kurier #1, Mai 2007, Tokyopop

  1. Lorenz sagt:

    Ich bin mittlerweile ziemlich voreingenommen gegebüber Manhwa, ich hab oft das Gefühl gehabt, als ob da viele Serien einfach nur schnell hingerotzt werden.

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  2. der Nachbar sagt:

    Kann ich nicht so beurteilen, da ich eher Mangas und relativ wenig Manhwas lese.

    Eine spontane Empfehlung hätte ich aber noch:
    Ghostface find ich z.B. ganz gut.
    Der erste Band wurde am Gratis Comic Tag als SC verteilt und der zweite ist aktuell rausgekommen. Hat was von Die Klapperschlange (der Film). Crayton hat damals auch ein Review dazu hier verfasst.

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  3. Bendrix sagt:

    Ahhh….koreanische Mangas heißen also Manhwas. Schon wieder was gelernt.

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  4. der Nachbar sagt:

    Jup und sie werden wie westliche Comics von links nach rechts gelesen.

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  5. Bendrix sagt:

    Wusste ich auch noch nicht.

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