MAM #09: Neji, August 2003, Carlsen Manga

Grüße und so!

Diesmal möchte ich euch einen Manga vorstellen, der aus der Feder von Kaori Yuki stammt. Einigen von euch ist sie vielleicht schon bekannt, was vor allem an ihrer Angel Sanctuary-Serie liegen dürfte. Der Manga Neji besteht aus drei Kapiteln, die zeitlich mit einigen Abständen geschrieben wurden und welche die Zukunftsgeschichte von Screw und seinem Gefährten Cross erzählen.

Inhalt
Im ersten Kapitel (Rebirth) lernen wir mit Screw den Protagonisten der Geschichte kennen. Er wurde als junger Mann zusammen mit seiner Geliebten Snow White im Jahre 1992 umgebracht und anschließend eingefroren. Über vierzig Jahre später wird er von der zwielichtigen Regierungsorganisation G.E.R.A. aufgrund seiner übernatürlichen Psi-Kräfte wiederbelebt und zu einem Attentäter ausgebildet. Anfangs sträubt er sich gegen eine Zusammenarbeit. Doch Screw muss bald erkennen, dass er wohl keine andere Wahl hat. Sein Ausbilder Luther hegt glücklicherweise eine gewisse Sympathie für ihn und motiviert Screw zur Zusammenarbeit, indem er ihm verspricht, dass Snow White wieder zum Leben erweckt wird. Nachdem Screw seinen ersten Job erledigt hat, muss er  jedoch eine grausame Entdeckung machen und flüchtet aus den Fängen von G.E.R.A..
Das zweite Kapitel (Cross) spielt ein Jahr nach Screws Flucht und stellt eine weitere Hauptfigur der Geschichte vor. Dabei handelt es sich um den Drogendealer Cross, der bei einer Schmuggeltour einen Unfall erleidet und „zufällig“ von G.E.R.A. gerettet wird. Denn Cross verfügt ebenfalls über besondere Psi-Kräfte, die ihm u.a. sogar erlauben, seinen Körper zu verlassen und quasi als Geist durch entfernte Räumlichkeiten zu schweben. Diese Fähigkeiten macht sich G.E.R.A. zu Nutze und jagt mit seiner Hilfe Widerstandskämpfer, die gegen Cross keine Chance haben. Doch wie damals schon Screw, so arbeitet auch Cross eher wiederwillig mit seinen Auftraggebern zusammen. Schließlich kommt es zu einem gefährlichen Aufeinandertreffen zwischen Cross und Screw, der sich mittlerweile den Widerstandskämpfern angeschlossen hat. Dabei verliert Cross den einzigen Menschen, der ihm etwas bedeutet und er trifft eine folgenschwere Entscheidung.
Im dritten und letzten Kapitel (Norma Jean P013) dreht sich alles um Cyborgs, die mittlerweile so stark in das gesellschaftliche Leben integriert sind, dass sie sogar die Rolle der Ehefrau und Mutter einnehmen. Die Baureihe Norma Jean der Firma Clockworks Inc. zieht durch eine tödliche Fehlfunktion, bei der die Cyborgs auf ihre Besitzer losgegangen sind, die Aufmerksamkeit der gesamten Medien auf sich. Screw und Cross, die mittlerweile ein Team bilden und das Geheimnis ihrer gemeinsamen familiären Vergangenheit gelüftet haben, verfolgen diese Neuigkeiten gespannt im Fernsehen, als scheinbar aus dem Nichts ein Norma Jean-Cyborg durch ihre Decke kracht. Kurz darauf trifft der Firmenchef von Clockworks Inc. ein, beansprucht den Cyborg für sich und lässt seine Schergen alle Spuren beseitigen. Doch sie haben die Rechnung ohne Screw und Cross gemacht, die sich vorgenommen haben, den Cyborg zu retten.

Story
Eins vorweg: ich bin ziemlich enttäuscht, dass Neji nur ein Einzelband ist. Schon die drei Kapitel alleine hätten jeweils einen kompletten Manga füllen können bzw. sollen. Die Geschichte von Screw und Cross ist meiner Ansicht nach zu komplex, als dass man sie erfolgreich in einem Band abhandeln könnte. Eigentlich schade, denn die Thematik dieses Mangas (Künstliche Intelligenz, Eindringen ins menschliche Bewußtsein usw.) bietet prima Erzählstoff und gehört auch mit zu meinen Lieblingsgenres im Sci-Fi Bereich. Leider gibt die Mangaka Kaori Yuki der Geschichte nicht genug Spielraum, um sich zu entfalten. So fällt es beim ersten Lesen auch relativ schwer (zumindest ging es mir so), sofort alle Szenen richtig einzuordnen und verstehen zu können, da manche Inhalte nur mit einem Panel erwähnt werden und die Geschichte dann einen extremen Sprung zu einer komplett anderen Szene macht. Was das betrifft, wird es aber zum Glück wenigstens im letzten Kapitel, dessen Handlung stark an Filme wie Bladerunner oder I, Robot erinnert, dann etwas besser.

Artwork
Das Artwork zu Neji hat sofort meine Erinnerungen an Angel Sanctuary wach gerufen, was aber kein allzu großes Wunder ist, da dieser Manga/Anime ebenfalls aus der Feder von Kaori Yuki stammt und für dessen Zeichnungen ich mich schon damals begeistern konnte. Die Figuren und die Umgebungen sind ordentlich gezeichnet und auch die relativ wenigen Actionszenen können durchaus überzeugen. Nur leider sind manche Textblöcke äußerst schwer zu erkennen (z.B. auf Seite 25, 58, 79 und weitere). Das liegt daran, dass sie sich einfach zu wenig vom Hintergund abheben. Aber abgesehen davon ist die zeichnerische Umsetzung von Neji wirklich gelungen. Die verbreitete Aussage, dass zwischen den ersten beiden und dem letzten Kapitel ein zeichnerischer Unterschied besteht, kann ich übrigens nicht bestätigen. Für mich sehen alle drei Kapitel, trotz großem zeitlichem Abstand (Kapitel I: 1992, Kapitel II: 1993, Kapitel III: 2001), wie aus einem Guss aus.

Fazit
Schade, dass Yuki sich damals nicht dazu entschlossen hat, aus Neji eine Mini-Serie zu machen. Ich bin sicher, dass genügend Erzählstoff vorhanden gewesen wäre. So aber kann sich die spannende Geschichte von Screw und Cross in einem Einzelband nicht genug entfalten. Vielleicht hatte Yuki Gedanken zu einem entsprechendem Anime im Hinterkopf, als sie Neji erschuf. Nur leider kann man als Leser nicht die Bilder und Ideen, welche die Mangaka vor ihrem geistigen Auge hatte, sehen und man muss sich mit den (viel) zu wenig gezeichneten Seiten zufrieden geben. Daher gibts von mir nur zwei Sterne für diesen Manga.

Künstler
Kaori Yuki (Autorin und Zeichnerin)

Bewertung

weitere Infos

  • Preis: € 6,-
  • Seitenzahl: 208
  • Erscheinungsdatum: 08.2003
  • Genre: Sci-Fi

Kaori Yuki bei einer Signierstunde auf der Animagic 2001 in Koblenz

Kaori Yuki (*18.12.1970? in Tokyo) ist eine japanische Mangaka und Charakterdesignerin. Yuki ist jedoch nicht ihr richtiger, sondern ein Künstlername, den sie dem japanischen Multitalent (Sängerin, Schauspielerin und Schriftstellerin) Yuki Saito nachempfunden hat. Sie besuchte als Teenagerin eine Kunstschule und nahm schon früh erfolgreich an Mangawettbewerben teil. Internationale Anerkennung und Bekanntheit erreichte sie mit ihrem Hit-Manga/Anime Angel Sanctuary. Als sie 1986 bis ins Halbfinale eines Wettbewerbs des Manga-Magazins Hana to Yume gelang, begann sie ab diesem Zeitpunkt exklusiv für den Verlag Hakusensha zu arbeiten. Diese langjährige Zusammenarbeit wird voraussichtlich am 28. Juli diesen Jahres beendet werden. Yukis neuer Auftraggeber wird dann Kodansha sein.
Quelle: Wikipedia (franz.)

Im Februar 2008 machte sie mit ihrem Manga Camelot Garden wieder auf sich aufmerksam, welcher als Einzelband auf dem Roman The Lady of Shalott von Baron Alfred Tennyson basiert. Kurze Zeit später, im Juni 2008, überraschte sie das Publikum mit ihrem Zombie-Manga The Royal Doll Orchestra, welcher 18 Kapitel umfasst und in fünf Bänden abgeschlossen ist. Der erste Band dieser Serie ist auch schon bei uns erschienen. Aktuell arbeitet sie an ihrem neusten Werk Iiki no Ki.

Fans von Angel Sanctuary dürfte es interessieren, dass Carlsen eine Neuauflage des gleichnamigen Mangas plant. Dabei handelt es sich um Sammelbände, welche als Hardcover ein größeres Format gegenüber den Vorgängern haben, jeweils zwei reguläre Bände enthalten und mit zusätzlichen farbigen Illustrationen sowie redaktionellen Extraseiten ausgestattet sind. Ende August soll der erste Sammelband veröffentlicht werden. Weitere Bände werden etwa alle drei Monate folgen. Quelle: Carlsen

„Ich bin nicht nett zu meinen Charakteren und bringe sie oft um.“
(Kaori Yuki)

2 Responses to MAM #09: Neji, August 2003, Carlsen Manga

  1. comicfanboy sagt:

    Trotz das du hier nur zwei Sterne vergibst hört sich der Plot doch ganz interessant an. Die Zeichnungen sehen auch ganz gut aus.

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  2. der Nachbar sagt:

    …hört sich der Plot doch ganz interessant an. Die Zeichnungen sehen auch ganz gut aus.
    So ist es ja auch. Nur leider handelt es sich bei diesem Manga um einen One-Shot, so dass die Handlung stark komprimiert wurde und sich nicht richtig entfalten kann.
    Wie ich schon erwähnt habe, hätte es dem Manga sicherlich gut getan, die ganze Story auf drei oder mehr Bände auszudehnen.
    Deswegen habe ich hier nur zwei Sterne vergeben. Schlecht ist der Manga auf keinen Fall.

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