MAM #04: Spray King #1, Juni 2010, Egmont Manga

Grüße und so!

Für den heutigen MANGA AM MITTWOCH (MAM) habe ich mir einen Band ausgesucht, der erst kürzlich hier in Deutschland veröffentlicht wurde und auf den ersten Blick recht vielversprechend erscheint. Die Rede ist vom Erstlingswerk des japanischen Mangakas Shin Mikumi: Spray King.
Als ich kürzlich dem Manga-Laden meines Vertrauens wieder einmal einen Besuch abstattete, sprang mir das Cover vom Spray King sofort ins Auge. Ein Manga über Graffiti? Soetwas kannte ich bisher noch nicht. Mein Interesse war sofort geweckt und ohne großartig im Manga zu blättern, nahm ich ihn auch schon mit zur Kasse. Ob das so eine gute Idee war?

Inhalt
Der erste Band vom Spray King enthält zwei Vorgeschichten, in denen einige der Hauptcharaktere vorgestellt werden. Des weiteren sind das erste Kapitel der regulären Story, ein paar Kurzgeschichten im Karikaturstil über den Autor selbst sowie einige exklusive Figurenskizzen im Manga enthalten.
Die erste Vorgeschichte stellt die Teenagerin Ayame vor, die künstlerisch äußerst begabt ist und auf eine Kunstschule geht, um ihr Talent weiter auszubauen. In ihrer Stadt sorgt seit kurzem der Spray King für Gesprächsstoff. Denn er schafft es, im rauhen Kotobuki-Stadtviertel wieder für Recht und Ordnung zu sorgen, indem er mithilfe seiner Cans (Spraydosen) auf geheimnisvolle Art und Weise „die Farben“ seiner Gegner (Verbrecher, Randalierer usw.) aufsaugt. Abschließend hinterlässt er am Ort des Geschehens immer ein beeidruckendes Graffito. Ayame ist der Ansicht, dass Graffiti nichts als Schmierereien und Vandalismus sind und empfindet daher zuerst nur Verachtung für den Spray King. Als sie aber einmal von ihm vor ein paar fiesen Typen gerettet wird, will sie wissen, wer er ist und versucht seine Identität rauszubekommen, was sie aber in eine bedrohliche Lage bringt.
Die zweite Vorgeschichte handelt vom jungen Rockmusiker Masa, der mit seiner Band eine lokale Größe in seiner Stadt ist. Als er nach einem Gig von einem Plattenproduzenten einen Vertrag angeboten bekommt, kann er sein Glück noch gar nicht fassen. Doch es gibt da ein paar Haken, zum einen soll er sich von seinen übrigen Bandkollegen trennen und zum anderen soll er nur noch schnulzige Pop-Songs komponieren. Nachdem er erkannt hat, in welche Situation ihn seine eigene Gier gebracht hat, versucht er aus dem Vertrag auszusteigen. Allerdings liefert der Musikproduzent „schlagkräftige“ Argumente, die dagegen sprechen. Aber zum Glück ist ja der Spray King in der Nähe.
Im regulären ersten Kapitel des Mangas versucht die angehende Bildjournalistin Miu ein Foto vom Spray King für die Titelseite einer Zeitung zu bekommen. Dabei begibt sie sich in eine brenzlige Situation, in der ihr ausgerechnet der Spray King zu Hilfe kommt.

Story
Um es direkt vorwegzunehmen: die Stories sind allesamt ziemlich platt, viel zu vorhersehbar und weit davon entfernt, Spannung zu erzeugen. Auch fehlt mir bei diesem Manga irgendwie noch mehr der Bezug zum Thema. Klar, es werden einige Graffiti-Bilder vom Spray King gezeigt und in einer der ersten Textblasen werden sogar zwei Fachbegriffe („Hey, bist du der Kerl, der unser Piece gebombt hat?“) verwendet, aber das wars dann auch schon für den Rest des Buches. Für einen Graffiti-Manga ist das aber dann doch zu wenig. Mangas mit anderen Bezügen zeigen, dass es besser geht (z.B. Bakuman). Auch die immergleichen Sätze („Ich hole mir eure Farben.“, „Damit werde ich ein gutes Piece sprühen können.“), welche der Spray King sagt, wenn er mit den bösen Buben abrechnet, nerven mit der Zeit gehörig. Ebenfalls die im ersten Kapitel viel zu häufig verwendete Vokabel „scoop“ fällt sehr negativ auf. Ich weiß zwar nicht, wie das im Original aussieht, aber zumindest bei der deutschen Übersetzung hätte man doch an den entsprechenden Stellen z.B. mit „Knüller“ oder „Exklusivbericht“ etwas Abwechslung bringen können. Was mich auch stört, ist die Tatsache, dass in keinem einzigen Panel des Mangas auf die besonderen Fähigkeiten des Spray Kings bzw. seiner Sprühdosen eingegangen wird. Aber vielleicht wird Mikuni das ja noch in den nachfolgenden Bänden näher erläutern.

Artwork
Mikunis Artwork zu Spray King ist ansatzweise dem von Fairy Tale ähnlich. Allerdings wirken Mikunis Zeichnungen noch etwas unausgereift. Die Actionszenen übermitteln nur wenig Dynamik und können daher nicht wirklich überzeugen. Auch kann man viel zu oft feststellen, dass die Perspektiven und Proportionen nicht korrekt dargestellt werden. Und um auf den eigentlichen Schwerpunkt des Mangas (Graffiti) zu sprechen kommen: diese wirken mehr wie Photoshop-Stempel und haben mich nicht sonderlich beeindruckt.

Fazit
Spray King ist ein schwacher Manga, den man getrost im Regal stehen lassen kann. Eigentlich schade, denn die Kombination aus einer Action-/Superheldengeschichte gepaart mit der Thematik Graffiti hätte durchaus Potential für mehr gehabt. Aber leider kann weder Mikunis Story noch sein Artwork den Karren aus dem Dreck ziehen.

Künstler
Shin Mikuni (Autor und Zeichner)

Bewertung

weitere Infos

  • Preis: € 6,50
  • Seitenzahl: 192
  • Erscheinungsdatum: 06.2010
  • Genre: Action
  • die Serie umfasst im Original bisher vier Bände

Shin Mikuni war eine Zeit lang als Assistent für den weltberühmten Mangaka Hiro Mashima tätig, welcher u.a. durch Mangas wie Rave, Monster Soul und Fairy Tale bekannt wurde.

Als Mangaka werden professionell arbeitende Manga-Autoren bezeichnet.

Spray King ist ein typischer Shonen-Manga.

In den Kurzgeschichten im ersten Band von Spray King gibt Shin Mikuni einiges über sich selbst Preis. Man erfährt z.B., wie seine Wohnung aufgebaut ist und dass Udon (breite Weizennudeln) sein absolutes Lieblingsessen ist.

vorraussichtliches Erscheinungsdatum der restlichen Bände:
Spray King Band 2 – September 2010
Spray King Band 3 – Dezember 2010
Spray King Band 4 – März 2011

Graffiti <-> Graffito
Graffiti ist der Plural des italienischen Worts „graffito“. Es leitet sich aus dem Alt-Griechischen von „graphein“ ab, was „schreiben“ bedeutet. Weitere Informationen zum Thema „Graffiti“ liefert der entsprechende Wikipedia-Artikel.

Eine Auswahl von sehr guten Graffiti-Bildern aus der ganzen Welt gibt es im Buch GRAFFITI WORLD von Nicholas Ganz zu bewundern.

One Response to MAM #04: Spray King #1, Juni 2010, Egmont Manga

  1. comicfanboy sagt:

    Die Kombination Manga und Graffiti hört sich eigentlich nicht schlecht an. Schade das es hier wohl nicht funktioniert hat.

    Gefällt mir

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