Review #88: Kick-Ass #1, April 2008, Icon Comics

Grüße und so!

Heute möchte ich euch einen Comic vorstellen, der nicht den typischen Superheldengeschichten entspricht, aber gerade dadurch meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat.
Vor etwa zwei Jahren taten sich Mark Millar, der u.a. die Story für einige Spidey-Hefte sowie das 2006/2007er Marvel-Event Civil War geschrieben hat, und der Zeichner John Romita, welcher mit seinen Arbeiten schon ein paar Preise gewinnen konnte (Inkpot Award 1994 und Eisner Award 2002) zusammen und erschufen die Geschichte um Dave Lizewski alias Kick-Ass. Diese wurde anschließend von Icon Comics, einer Tochterfirma von Marvel, veröffentlicht.

Inhalt: Dave Lizewski ist ein Teenager, der noch zur High-School geht und am liebsten mit seinen wenigen Freunden im Comic-Shop abhängt, um danach mit ihnen über die neusten Hefte zu diskutieren. Das Mädchen, in das er verknallt ist, will von ihm nichts wissen und schimpft ihn zu allem Übel noch einen Looser. Um es auf den Punkt zu bringen: Dave ist ein typischer Außenseiter. In einem kurzen Flashforward erfahren wir schon mal das schmerzhafte Schicksal, welches Dave in seinem Kostüm als Kick-Ass noch ereilen wird. Aber schön der Reihe nach.
Als seine Mutter unerwartet stirbt, lebt er von nun an alleine mit seinem Vater und versucht seinen Kummer anfangs mit Videospielen zu betäuben. Nach einem Besuch mit seinen Freunden in einem Comic-Shop entfacht eine Diskussion darüber, warum es bisher noch niemand gewagt hat, sich tatsächlich als Superheld zu versuchen. Dave findet, dass das Leben mehr zu bieten hat, als nur einem langweiligen Beruf nachzugehen und fasst den Entschluss, es selbst als Superheld zu probieren. Er zieht sich also kurzerhand eine Art Taucheranzug an und beginnt nachts in seinem Viertel auf Patrouille zu gehen. In den ersten Tagen passiert nichts Spektakuläres, so dass er die meiste Zeit damit verbringt, auf Dächern zu balancieren.
Doch eines Nachts trifft er auf drei Jugendliche, die gerade dabei sind, eine Mauer mit Graffiti zu besprühen. Als ordnungsliebender Mensch und angehender Superheld kann Dave das natürlich nicht durchgehen lassen und stellt das Trio zur Rede. Davon sind die drei Jungs allerdings nicht sehr begeistert und es kommt zur Schlägerei, in der Dave eine Menge einstecken muss und sogar mit einem Messer schwer verletzt wird. Doch damit nicht genug, denn zu allem Übel wird Dave nach der Schlägerei noch von einem Auto überfahren. Sein Debüt als selbsternannter Superheld hatte sich Dave Lizewski bestimmt etwas anders vorgestellt.

Story: Bereits der Anfang des Comics stimmt sehr gut auf dessen Atmosphäre ein. Wir sehen in einem Flashforward irgendeinen Typen, der von einem Hochhausdach springt, weil er denkt, dass er mit seinem selbstgebastelten Superheldenkostüm tatsächlich fliegen könnte. Das ist natürlich nicht der Fall und er springt schlicht und ergreifend in den Tod. Schon allein die ersten paar Seiten machen dem Leser deutlich: in diesem Comic gibt es keine Superhelden, die fliegen können, mit übermenschlichen Kräften gegen eine Überzahl von Gegnern bestehen können oder mittels ungewöhnlicher Hightech irgendwelche besonderen Vorteile haben.
Daves „Superkräfte“ sind sein Mut und sein enormes Selbstvertrauen, welche ihn dazu bringen, es mit drei Typen gleichzeitig aufzunehmen. In den nachfolgenden Ausgaben der Serie wird ihm das viel Respekt und Bewunderung seiner Mitmenschen einbringen, sowie einige Nachahmer, wie den Typen vom Anfang der Geschichte, auf den Plan rufen. Aber Daves Taten werden nicht nur positive Dinge nach sich ziehen…
Was die Story bzw. die Idee von Kick-Ass angeht, ist das mal eine willkommene Abwechslung zu den sonst eher üblichen 08/15-Superheldengeschichten, die es mittlerweile wie Sand am Meer gibt. Auch die leichte Gesellschaftskritik, die hier durchscheint, hat mir gut gefallen („Does everything have to be about money? Jesus, man. Why do people want to be Paris Hilton and nobody wants to be Spider-Man?“).


Artwork: John Romita (Zeichner) liefert hier eine tolle Arbeit ab. Klare Zeichnungen und gute Linienführungen, die von Palmer (Tuscher) und White (Colorist) den letzten Schliff bekommen und ein stimmiges Gesamtkonzept liefern. Die Panels sind alle klassisch angeordnet, oft eine Kombination aus drei Zeilen und zwei Spalten, bei denen die Figuren niemals über die Ränder hervortreten. Eigentlich hab ich es ja ganz gerne, wenn die Panels eben nicht so sondern etwas dynamischer präsentiert werden. Aber bei diesem Comic hat das eine passende Wirkung, welche die Einfachheit bzw. Natürlichkeit der Figuren unterstreicht.

Fazit: Kick-Ass #1 ist in meinen Augen eine willkommene Abwechslung zum Superheldeneinerlei. Hier gibt es keine übermenschlichen Kräfte, wie es bei Superman oder Spidey der Fall ist. Auch technische Superausrüstungen, wie sie von Batman oder Iron Man verwendet werden, wird man hier nicht finden. Hier dreht sich alles um die Person an sich. Und gerade das macht die Story für mich so interessant.
Ich habe die ersten vier Teile dieser Serie gelesen. Mit Erscheinen von Hit-Girl und Big Daddy habe ich dann aber enorm die Lust am Weiterlesen verloren. Denn ab dem dritten Teil wird mit Hit-Girls Erstauftritt der Grad der ohnehin schon recht explizit dargestellten Gewalt nocheinmal um ein Vielfaches in die Höhe getrieben. Mein Eindruck war, dass ab diesem Zeitpunkt Kick-Ass zu einem stupiden Hack’n’Slash-Comic verkommen war. Schade eigentlich; hatte mich die Grundidee, die zu Beginn der Serie noch dominierte, doch stark begeistert.
Für Fans von Comicverfilmungen bzw. Kick-Ass-Fans dürfte interessant sein, dass Kick-Ass in etwa drei Wochen bei uns im Kino anlaufen wird. Ob ich mir den Film ansehen werde, weiß ich noch nicht.

Die Künstler: Mark Millar (Autor), John Romita Jr. (Zeichner), Tom Palmer (Tuscher), Dean White (Colorist) und Chris Eliopoulos (Texter)

Die Bewertung:

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9 Responses to Review #88: Kick-Ass #1, April 2008, Icon Comics

  1. RedRobin sagt:

    Hab mir letzte Woche den ersten Band auf Amazon bestellt. Dauert leider noch bis zum 12ten…

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  2. der Nachbar sagt:

    Na bis zum zwölften ist ja nicht mehr so lange. Dann hast du ja auch bald die ersten vier Teile von Kick-Ass vorliegen und kannst uns schreiben, wie sie dir gefallen haben.

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  3. graval sagt:

    Das bleibt bei zwei Teilen hab ich gelesen, oder? Vielleicht geb ich mir den Comic mal, der Film muss auf jeden Fall sein! 😀

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  4. der Nachbar sagt:

    N’abend graval,

    hast Recht. Die Originalausgaben umfassen acht Teile. Die dt. Übersetzung von Panini umfasst zwei Hefte mit jeweils vier Teilen.

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  5. graval sagt:

    Namnd auch 😉

    Achso… Aber dabei bleibt es dann, oder?

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  6. der Nachbar sagt:

    Jup, dabei bleibt es dann. Der zweite Band kommt übrigens am 25.05. raus.

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  7. RedRobin sagt:

    Bei der Ausgabe die ich bestellt habe stand dabei das die ersten 6 Teile dabei sind. Überrascht war ich als sie doch schon heute ankam und alle 8 enthalten waren…
    Umso besser 😀

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  8. der Nachbar sagt:

    Interessant, ich kenn nur die beiden Sammelbände von Panini, welche die acht Originale beinhalten.

    Na dann kannste ja die komplette Story aufeinmal verschlingen. Bin schon darauf gespannt, wie dir Kick-Ass gefallen wird.

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  9. Ratzfatz sagt:

    Habs zu Hause, aber noch nicht gelesen. Deine Kritik (Hack & Slash) deckt sich eigentlich eh mit den anderen Reviews.
    Das war aber auch bei Old Man Logan so, wird auch bei Nemesis nicht anders sein und selbst Wanted kann man eigentlich auch Ähnliches vorwerfen.
    Das ist halt was, was Millar zu mögen scheint.

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